Existenz­gründungen – Licht und Schatten

Die deutsche Gründungslandschaft zeigt sich im Jahr 2022 zwiegespalten. Einerseits ist die Anzahl der Existenzgründungen im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, andererseits liegt sie weiterhin unter dem Niveau der Vorkrisenzeit. Das Statistische Bundesamt vermeldet für 2022 insgesamt 339.370 Existenzgründungen in Deutschland. Dies entspricht einem Zuwachs von 1,0 % gegenüber dem Vorjahr. Im Vergleich zum Jahr 2019, also vor der Covid -19-Pandemie, liegt die Anzahl der Gründungen allerdings noch um 4,7 % zurück.

Gewerbe und Freie Berufe im Fokus
Während die Anzahl der Gründungen im Gewerbebereich mit 238.890 leicht rückläufig (-0,3 %) ist, verzeichnen die Freien Berufe mit 93.120 Gründungen einen deutlichen Anstieg (+5,0 %). Die Land- und Forstwirtschaft hingegen hat mit 7.360 Gründungen (-6,5 %) einen Rückgang zu verzeichnen.

Bayern, NRW und Baden-Württemberg weiterhin vorne
Die Top 5 der Bundesländer nach Anzahl der Gründungen bleiben unverändert: Bayern (52.830), Nordrhein-Westfalen (71.550) und Baden-Württemberg (39.280) führen das Ranking an. Die höchste Gründungsintensität – gemessen an der Anzahl der Gründungen je 10.000 Einwohner – weisen jedoch Berlin (81,4), Bremen (77,7) und Hamburg (74,2) auf.

Sachsen-Anhalt: Sorgenkind im Ländervergleich
Einwohnerstarke Bundesländer wie Sachsen-Anhalt hinken weiterhin hinterher. Mit 15.710 Gründungen (-3,4 %) und einer Gründungsintensität von 51,4 liegt das Bundesland unter dem Bundesdurchschnitt. Hier bedarf es weiterer Anstrengungen, um die Rahmenbedingungen für Existenzgründungen zu verbessern.

Frauenanteil auf Rekordniveau
Erfreulich ist der weiterhin hohe Frauenanteil unter den Gründern. Mit 54,9 % ist im Jahr 2022 ein neuer Höchstwert erreicht worden. Die Motive für die Gründung bleiben stabil: Selbstverwirklichung und Unabhängigkeit stehen weiterhin an erster Stelle.

IT, Gesundheit und Beratung: Die gefragtesten Branchen
Die beliebtesten Branchen für Existenzgründungen sind unverändert: Informationstechnologie (IT), Gesundheitswesen und Beratung. Diese Branchen bieten weiterhin gute Wachstumsperspektiven und sind daher besonders attraktiv für Gründer.


Fazit:
Die deutsche Gründungslandschaft zeigt sich im Jahr 2022 mit Licht und Schatten. Die positive Entwicklung der Gesamtzahl der Gründungen und der hohe Frauenanteil stimmen zuversichtlich. Jedoch dämpfen die Stagnation in einigen Bundesländern und der Abstand zum Vorkrisenniveau die Euphorie. Um das Gründungsgeschehen nachhaltig zu stärken, bedarf es weiterhin politischer Anstrengungen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen.

Ausblick:
Die weitere Entwicklung des Gründungsgeschehens in Deutschland wird stark von der konjunkturellen Lage abhängen. Die aktuellen Herausforderungen wie der Krieg in der Ukraine und die anhaltend hohe Inflation könnten die Gründungsdynamik in den kommenden Monaten bremsen.

 

Hinweis: Die vollständigen Statistiken zu Existenzgründungen in Deutschland 2022 finden Sie auf der Website des Statistischen Bundesamtes: https://www.destatis.de/DE/Startseite.html Zusätzliche Informationen: KfW-Gründungsmonitor: https://www.kfw.de/%C3%9Cber-die-KfW/KfW-Research/KfW-Gr%C3%BCndungsmonitor.html

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